Corona: Da isser wieder

28. Februar 2021
Christian

Geschichten aus dem Adlerhorst

Langsam fuhr der Rettungswagen auf den kleinen halbrunden Vorplatz, der drei Garagen-Autos Platz zu Wendemanövern bietet.

Die beiden Sanitäter in ihrer rot/gelben Schutzkleidung stiegen aus und öffneten die Seiten-Schiebetür. Gepäck wurde entnommen und auf den Asphalt abgestellt, ebenso ein Rollator.

Dann stiegen beide in das Wageninnere und kamen erst nach einer gefühlten Ewigkeit wieder heraus.

Langsam und vorsichtig beförderten sie ihren Patienten ins Freie und stellten ihn auf, damit er an dem Rollator Halt finden konnte. Die schmale Sauerstoffflasche legten sie in den Korb und korrigierten den Schlauch und den Sitz der Sauerstoffmaske.

Das Stehen fiel dem Mann sichtlich schwer, sodass er von einem der Sanitäter gestützt werden musste, während der andere das Gepäck schulterte.

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Wohnung.

Das Gehen am Rollator muss für den Patienten eine Tortur gewesen sein. Trotz Sauerstoffversorgung vermochte er nicht mehr als fünf Schritte zu gehen, bevor er eine Pause einlegen musste. Das Gehen wurde ihm zusätzlich durch Koordinationsprobleme erschwert:

Bei jedem einzelnen Schritt touchierte linke Fußspitze die Ferse des rechten Standbeines, sodass er jedes Mal zu fallen drohte.

Erst jetzt, als ich für kurze Zeit sein Profil sehen konnte, erkannte ich den Mann als denjenigen, den ich in sportlicher Manier fast täglich Joggen sah und den ich mit seinem schwarzen vollen Haar altersmäßig auf Mitte vierzig schätzte.

Dieser dünne weißhaarige Mann da unten mit seiner Sauerstoffmaske im Gesicht, der von zwei Sanitätern gestützt, kaum einen Schritt vor den anderen setzen kann, hat mit dem, den ich vor vierzehn Tagen noch fit wie ein Reh die Straße hinauf joggen sah, nur noch wenig zu tun.

Im Radio wird eine Verkehrsbehinderung durchgegeben aufgrund einer Demo der Querdenker.