Philosoph Opa Kruschke: In Zeiten der Pandemie, Teil 2

23. März 2020
Christian

14 Tage später

Der kleine Max hat sich wunderbar in Opas Wohnung eingelebt. In der ersten Woche schlief Max des Nachts bei Opa im Bett. Nach und nach begann der sein Zimmer als das seinige zu akzeptieren und legte sich nur noch gelegentlich neben Opa hin, meist in den frühen Morgenstunden.
Die Trennung vom Mama und Papa stellte anfänglich ein Problem dar, das sich dank Handy und Skype nur noch gelegentlich zeigt.
Sie reden viel miteinander. Max stellt mit seinen sechs Jahren viele Fragen, die Opa Kruschke gerne beantwortet und er zupf auch schon einen guten Blues auf Opas Gitarre; lernt spielerisch neben Noten schreiben auch Lesen, Rechnen und Schönschrift.
Im Gegenzug lernt Opa Videospiele, bei denen er unentwegt als Verlierer hervorgeht.

Morgens um 7 Uhr und abends um 19 Uhr ist Power Walking angesagt. Eine Stunde schnellen Schrittes durch die frische Luft. Zu diesen Zeiten sind kaum noch Menschen unterwegs in den Straßenzügen seines Viertels, das Opa Kruschke wie seine Westentasche kennt.

Durch die Spaziergänge wird sein Enkel derart gefordert, dass Energieüberschüsse am Tag kein Problem darstellen und für eine entspannte Nachtruhe sorgen.
Für Opa Kruschke bedeuteten die täglichen Fluchten fit bleiben. Um jeden Preis.
Ihm ist bewusst, dass er sich irgendwann infizieren wird, aber möglichst noch nicht jetzt.

Maßnahmen gegen das Virus unzureichend
Maßnahmen gegen das Virus unzureichend

Das Virus ist aggressiv und verbreitet sich immer schneller und verläuft erschreckend oft tödlich.
Und manchmal auch furchteinflößend schnell. Was noch nicht in der Öffentlichkeit bekannt ist, er aber von seinem Freund, dem Internisten, weiß ist, dass sich das Virus in der Lunge bei einigen Infizierten derart schnell vermehrte, dass sie nach nur zwei Tagen nach Auftreten der ersten leichten Atembeschwerden in der häuslichen Umgebung, auf der Intensivstation beatmet werden mussten.
Das sind zwar Ausnahmen, aber sie beunruhigten Opa Kruschke doch sehr, denn so einen Krankheitsverlauf wollte er unter keinen Umständen erleben. Das würde seine gesamte Planung über den Haufen werfen, seinen Sohn unvermittelt auf den Plan rufen, der dann selbst hochgradig gefährdet wäre.

Es war also absolut notwendig, dass er selbst fit blieb. Zumindest noch für ein paar Wochen, bis sich das Virus vielleicht abgeschwächt hat, so seine Hoffnung.
Zu erwarten ist es nicht, resümierte Opa Kruschke.
Dadurch, dass sich Viren im vorderen Mund und Rachen ansiedeln, und nicht tief in der Luftröhre oder Lunge, ist ein Ansteckung viel wahrscheinlicher als bei einem Grippevirus.

Auch der Begriff „Tröpfcheninfektion“ wird nach Opa Kruschkes Kenntnisstand zwar permanent kommuniziert, aber nie ausführlich behandelt, auch seitens der Wissenschaft und der Medien nicht. Hier wäre aber eine fundierte Aufklärung wichtig.
Denn viele scheinen mangels Aufklärung der Auffassung zu sein, dass eine Tröpfcheninfektion nur durch Niesen oder Husten stattfindet. Aber das ist nicht richtig. Vielmehr überträgt sich das Virus gleichermaßen über die Luft beim ganz normalen Atmen und Sprechen und infiziert als aerogene Übertragung, ähnlich wie Husten oder Niesen.
Die aerogenen und mit Viren beladenen Partikel können sich darüber hinaus über Stunden in der Luft halten und somit ungehindert eingeatmet werden. Auch aus diesem Grunde wäre ein dauerhaftes Tragen einer Gesichtsmaske dringen empfohlen.

Dass das dauerhafte Tragen durch Wissenschaft und Medien nicht als Schutz empfohlen wird, ist Opa Kruschke klar. Man kann nichts empfehlen, was es nicht zu kaufen gibt.

So nervt es Opa Kruschke immer mehr, dass FahrradfahrerInnen, JoggerInnen Dampfrössern gleich stampfend und schnaubend an ihm vorbei ziehen, ohne den Sicherheitsabstand einzuhalten, ebenso die Frauchen an der Leine, die im Gegenverkehr, zielstrebig und unbeirrt wie ein Meteorit auf ihn zusteuern, nur weil ihr Hunde das Schnüren an der Hauswand interessanter finden, als auf der anderen Seite bei Fuß zu gehen.

Die Lösung des Problems: Opa Kruschke zieht sein atmungsaktives Jogging Hemd über den Kopf bis hin zur Nase und legt zwei Schals dick und fest um den Hals.

Not macht erfinderisch. Angst auch.

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