Philosoph Opa Kruschke: In Zeiten der Pandemie, Teil 5

23. März 2020
Christian

29. März 2020. Die Schwiegertochter ist infiziert.

Das Handy klingelt gegen Mittag.
Seine Schwiegertochter. Sie ist infiziert.
Sie wirkt gefasst. Hat es erwartet. Viele im Krankenpflegedienst und in der Ärzteschaft sind bereits infiziert. Es war nur eine Frage der Zeit bis auch sie das Virus in sich tragen würde.
Sie wurde unter Quarantäne gestellt, in ihrem winzigen Zimmer im Schwesternheim.
Nun hieß es abwarten, wie die Infektion verläuft.

Sohn Eddie fasste die Nachricht weniger gelassen auf. Seine selbst auferlegte Isolation, das eintönige Pendeln zwischen Büro und Wohnung, die Trennung von seiner Frau, von seinem Sohn, das alles zerrte an seinen Nerven. Auch die Angst sich selbst zu infizieren und schwer zu erkranken.
Alle verabredeten dem kleinen Max von der Erkrankung seiner Mutter nichts zu erzählen. Was sollte man ihm auch erzählen, ohne ihn zu ängstigen. Mit Begriffen wie Krankheit, Virus, Tod sollte man eine kleine Kinderseele nicht belasten. Und so akzeptierte der kleine Max den weiteren medialen Kontakt lediglich mit etwas murren. Opa hatte ihn mit Dingen betraut, die ihm durchweg Spaß machten. Das half ihm über so manche negativen Gefühle hinweg.

Opa Kruschke hatte einen Plan

Er überlegte ob die Infektion seiner Tochter nicht auch eine große Chance bieten würde.
Eine Chance, die seinem Sohn das Leben retten konnte.
„Ist es so abwegig“, dachte er, „wenn ich mich bei einem schwachen Verlauf der Infektion durch meine Schwiegertochter anstecken lassen würde, um selber zu erkranken? Möglichst leicht zu erkranken, um nach überstandener Infektion mein mit Blut zahlreichen Antikörper meinem Sohn zu spenden? Oder nur die heraus zentrifugierten Antikörper selbst?“

Er musste unbedingt medizinischen Rat in dieser Sache einholen. Und sollte das funktionieren, könnte die Familie bald wieder zusammen sein.

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