Eine ehemalige Schönheit

29. Juli 2021
Christian

Samstags zahle immer so zwischen 18 und 20 Euro an meinem Gemüsestand.
Dieses Mal betrug die Forderung 29,90! „Neunundzwanzig neunzig?“, wiederholte ich. „Das ist aber ganz schön teuer heute!“, gab ich dem Verkäufer zu verstehen.
Ungefragt mischte sich linker Hand eine hell piepsende Stimme mit stark osteuropäischem Akzent in das Gespräch ein mit den Worten: „ Wähn es ihnen is zu teier, missen sie zu Aldi gähn“ und zeigte in Richtung S-Bahnhof.
Eine ehemalige Schönheit, extrem geschminkt, behangen wie ein Weihnachtsbaum mit Ohrringen und schweren Ketten aus purem Gold, glaubte dem „armen“ Verkäufer zur Seite stehen zu müssen, obwohl es dazu wahrlich keinen Anlass gab.
Gebieterisch, der Situation völlig unangemessen, zeigte sie auch noch mit dem ausgestreckten Arm, der über und über mit goldenen Armreifen behangenen war und jedem Straßenräuber ein Halleluja entlockt hätte, direkt auf mich.
Während ich sie anschaute, überlegte ich wie sich ein Straßenräuber der Goldarmreifen bemächtigen würde. Durch vorsichtiges Abstreifen der einzelnen Armreifen und Ringe bei vorgehaltener Pistole oder durch hektisches Zerren am güldenen Geschmeide?
Das viele Gold hatte sie sicherlich nicht durch eigne Arbeit erworben, sinnierte ich weiter während ich sie genauer in Augenschein nahm. Allein das Outfit passt nicht zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau. Auch nicht die etwas pröllige Art, sich unverblümt in ein Gespräch einzumischen. Nein, ich war mir ziemlich sicher, sie ist durch Erbschaft reich geworden. Ganz nach dem Motto:
Wenn am Grab die Witwe kichert,
war der Alte gut versichert.

Wer weiß, wie oft sie schon am Grabe gestanden ist, in ihrem langen Leben.
Und überhaupt, wieso kauft eine ehemalige Schönheitskönigin aus Osteuropa, die sich immer nur alte, schwache, aber durchweg reiche Männer geangelt und sie zu Tode geliebt hat, hier auf meinem Wochenmarkt ein?
Oder ist der Einkauf nur fingiert? Als Vorwand für ein wasserdichtes Alibi vielleicht? Hat sie sich deshalb so vehement in das Gespräch eingemischt, um in Erinnerung zu bleiben? Ist damit zu rechnen, dass die Polizei in der nächsten Woche uns Marktbesucher befragen wird?
Um Himmelswillen, es wird doch wohl nicht ein weiterer Ehemann in diesem Augenblick zu Hause qualvoll ersticken? Wird morgen in der Zeitung zu lesen sein, dass ein früherer russischer oppositioneller Oligarch, seit kurzem verheiratet mit der ukrainischen Miss World von 1970, mit dem Nervengift Novitschock vergiftet wurde, dass in seinen Socken hauchdünn aufgetragen wurde?
Schweißperlen pressten sich durch die Poren auf meine Stirn. Ich versuchte mich zu beruhigen mit dem Gedanken, dass sich die alte Schönheit bestimmt nur verlaufen hat oder zu Besuch sei und morgen wieder abreisen würde, als mich die Stimme des Gemüseverkäufers endgültig zurück ins Leben rief mit der Erklärung für den höheren Preis. Ich hätte heute zwei Fluch- oder Flucht- Mangos -oder so ähnlich- gekauft, die allein schon 4,95 € kosten würden, das Stück!
Zu Hause angekommen erwartete ich eine Geschmacksexplosion für 4,95 €. Geschmeckt hat sie nach einsfuffzig.
Dieses Mal betrug die Forderung 29,90! „Neunundzwanzig neunzig?“, wiederholte ich. „Das ist aber ganz schön teuer heute!“, gab ich dem Verkäufer zu verstehen.
Ungefragt mischte sich linker Hand eine hell piepsende Stimme mit stark osteuropäischem Akzent in das Gespräch ein mit den Worten: „ Wähn es ihnen is zu teier, missen sie zu Aldi gähn“ und zeigte in Richtung S-Bahnhof.
Eine ehemalige Schönheit, extrem geschminkt, behangen wie ein Weihnachtsbaum mit Ohrringen und schweren Ketten aus purem Gold, glaubte dem „armen“ Verkäufer zur Seite stehen zu müssen, obwohl es dazu wahrlich keinen Anlass gab.
Gebieterisch, der Situation völlig unangemessen, zeigte sie auch noch mit dem ausgestreckten Arm, der über und über mit goldenen Armreifen behangenen war und jedem Straßenräuber ein Halleluja entlockt hätte, direkt auf mich.
Während ich sie anschaute, überlegte ich wie sich ein Straßenräuber der Goldarmreifen bemächtigen würde. Durch vorsichtiges Abstreifen der einzelnen Armreifen und Ringe bei vorgehaltener Pistole oder durch hektisches Zerren am güldenen Geschmeide?
Das viele Gold hatte sie sicherlich nicht durch eigne Arbeit erworben, sinnierte ich weiter während ich sie genauer in Augenschein nahm. Allein das Outfit passt nicht zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau. Auch nicht die etwas pröllige Art, sich unverblümt in ein Gespräch einzumischen. Nein, ich war mir ziemlich sicher, sie ist durch Erbschaft reich geworden. Ganz nach dem Motto:
Wenn am Grab die Witwe kichert,
war der Alte gut versichert.
Wer weiß, wie oft sie schon am Grabe gestanden ist, in ihrem langen Leben.
Und überhaupt, wieso kauft eine ehemalige Schönheitskönigin aus Osteuropa, die sich immer nur alte, schwache, aber durchweg reiche Männer geangelt und sie zu Tode geliebt hat, hier auf meinem Wochenmarkt ein?
Oder ist der Einkauf nur fingiert? Als Vorwand für ein wasserdichtes Alibi vielleicht? Hat sie sich deshalb so vehement in das Gespräch eingemischt, um in Erinnerung zu bleiben? Ist damit zu rechnen, dass die Polizei in der nächsten Woche uns Marktbesucher befragen wird?
Um Himmelswillen, es wird doch wohl nicht ein weiterer Ehemann in diesem Augenblick zu Hause qualvoll ersticken? Wird morgen in der Zeitung zu lesen sein, dass ein früherer russischer oppositioneller Oligarch, seit kurzem verheiratet mit der ukrainischen Miss World von 1970, mit dem Nervengift Novitschock vergiftet wurde, dass in seinen Socken hauchdünn aufgetragen wurde?
Schweißperlen pressten sich durch die Poren auf meine Stirn. Ich versuchte mich zu beruhigen mit dem Gedanken, dass sich die alte Schönheit bestimmt nur verlaufen hat oder zu Besuch sei und morgen wieder abreisen würde, als mich die Stimme des Gemüseverkäufers endgültig zurück ins Leben rief mit der Erklärung für den höheren Preis. Ich hätte heute zwei Fluch- oder Flucht- Mangos -oder so ähnlich- gekauft, die allein schon 4,95 € kosten würden, das Stück!
Zu Hause angekommen erwartete ich eine Geschmacksexplosion für 4,95 €. Geschmeckt hat sie nach einsfuffzig.