Die Füße der Eleonora Kalganova

2. September 2018
Christian

Was für eine grandiose Tänzerin. Diese Haltung. Dieser Gang. Diese präzisen Bewegungsabläufe. Im Showtanz eine einzige Augenweide.

Und ihre Füße erst: diese formvollendeten Endstücke; professionell trainiert um Höchstleistungen zu vollbringen. Die beiden zeichnen mühelos kreisende, schleifende, ziehende, wedelnde, gar wischende Bilder aufs Parkett die die Kalganova passend zur Musik gekonnt ergänzt durch rhythmisches Tippen, Kippen, Knicken und Kanten ihrer Füße.

„Wer seine Füße derart in den Mittelpunkt stellt“, so meine Überlegung, „muss ein ganz besonderes Verhältnis zu ihnen haben“.

Und so quält mich in meiner gewöhnlichen Fantasie die Frage, ob sie ihre Füße tatsächlich als eigenständigen Körperteil betrachtet, abgekoppelt von den anderen eher unwichtigen, mehr störende als nutzbringende Anhängsel des Restkörpers?

Kurzum: erfahren die Füße der Eleonora Kalganova eine Sonderbehandlung?

Werden sie zum Beispiel intensiver gepflegt als der restliche Körper, etwa durch Olivenöl-Packungen, Lavendel-Schwitzkuren, Stutenmilch-Massagen etc?

Eleonora Kalganova

Und plaudert sie innig mit ihren Füßen? Fühlt sie sich partnerschaftlich mit ihnen verbunden?

Speziell wenn der Tag in den Abend über geht? Erfährt der Mann an ihrer Seite -sofern eine Duldung möglich ist- zärtliche Liebkosungen und sanfte Ganzkörper-Streicheleinheiten durch ihre rosig samtweichen Fußsohlen, sofern er ihnen ausgiebig huldigt?

Und werden die Füße des nachts in eine Art Humidor abgelegt? Bei einer nach Jasmin duftender Luftfeuchte von konstant 60%, gedämpftem Licht und klassischer Musik?

Ist die Kalganova eine Fußfetischistin oder stellt sie ihre Fußarbeit alleinig aus Gründen des Marketings in den Mittelpunkt ihres Tanzes, gewissermaßen als Alleinstellungsmerkmal um Interessierte in die Workshops zu bekommen?
Ob das Nutzungsversprechen, Grundlage eines Workshops, auch eingelöst, bzw. umgesetzt werden kann, steht auf einem anderen Blatt und können eher die Folgenden beurteilen.

Mich als Führender jedenfalls würde eine Tanzpartnerin nerven, die ständig bemüht ist, ihre Beine und Füße in eigener Regie in Szene zu setzen, anstatt mir gemeinsam den Tango zu tanzen, der in seiner Schlichtheit so ergreifend sein kann.