Social Dancing Encuentro, ein Erfolgsrezept

24. April 2019
Christian

Eigentlich ist die Erklärung für den Erfolg des Encuentro simpel:

Alles, was „einfach“ ist, ist erfolgreich.
In den Medien sind es z.B. RTL, VOX, BILD.
In der Getränkeindustrie durch seinen neutralen Geschmack ist es Weltmarktführer BUDWEISER oder HEINEKEN.
Dagegen sind ARTE, PHOENIX, DIE ZEIT oder BECK`S Bier Nischenprodukte.

ENCUENTRO erfreut sich einer großen Beliebtheit und hat Tausende von Anhängern.
Encuentro ist der einfachste unter den Tänzen. Salsa, Standard/Latein, Swing etc. sind allesamt schwieriger zu erlernen. Erst recht der Tango (Rio de la Plata Tango/Tango Argentino).

Genial das Marketingkonzept:
Aus dem Tango hat sich der Encuentro einiger Kleinigkeiten bedient. So hat er sich die Führung abgeschaut, die Musik der „Epoca de Oro“ angeeignet und einige kleine Schrittfolgen übernommen, die in ihrer Einfachheit für jeden schnell zu erlernen sind. Alles andere aus dem Tango ist verboten oder zumindest nicht erwünscht, z.B. Figuren oder das „offene Tanzen“.

Bei Tanzveranstaltungen wird penibel darauf geachtet, dass gleichviel Führende und Folgende vertreten sind und die Tanzpaare nach jeder Pause (Cortina) wechseln.
Im Gegensatz zur Tangoszene, wo es fast immer einen Frauenüberschuss zu kompensieren gilt, was nur selten gelingt, erfreuen sich die Frauen/Folgende in der Encuentroszene an dauerhaftem Tanzvergnügen.

Eingeladen wird durch persönlichen Kontakt in geheimen Zirkeln wie z.B. Facebook.

Diese Symbiose zwischen Einfachheit im Tanz, uneingeschränktem Tanzvergnügen und persönlicher Ansprache ist der Garant für diesen beispiellosen Erfolg, der allen Respekt verdient.

Leider geht diese Erfolgsgeschichte sehr zulasten des Tangos, denn die Betreiber und die Anhänger der Encuentroszene verkaufen „ihren“ Encuentro als Tango, als den „wahren“ Tango, den Rio de la Plata Tango.

Es wird der Öffentlichkeit und den ahnungslosen Neueinsteigern verschwiegen oder ausgeblendet, dass Encuentro fast alles das verbietet, was den Tango in seiner Freiheitsliebe, Improvisationsfähigkeit und tänzerischen Vielfalt ausmacht.
Genau hier glauben Tango-Aficionados den Knackpunkt zu erkennen:
Im Tango, ob traditionell, Nuevo-, Neo-, Non-, Electro-, ist es völlig undenkbar, daher ausgeschlossen, ja fast schon widerwärtig, dass man geheim kommuniziert, andere ausschließt, vorschreibt, was getanzt werden darf und was nicht, welche Musik gespielt werden darf und welche nicht und das man möglichst nach jeder Tanda den Tanzpartner wechselt.
Das alles entspricht weder dem Spirit des Tangos noch seiner Historie.

DIE VERWUNDERUNG IST GROß,
wenn „Neulinge“ aus der Encuentroszene in der Tangoszene aufschlagen und dort mit Dingen konfrontiert werden, die sie bislang nicht kannten und/oder als „verpönt“ abgetan wurden.
Zum Beispiel die offene Tanzhaltung, das Gehen, Figuren (Boleos, Sacadas, Volcadas, Soltadas, Colgadas etc), keine Cortina und Musik von anderen Interpreten.

Tangueras und Tangueros ist es ein Dorn im Auge, immer häufiger in Milongas auf TänzerInnen zu treffen, die lediglich über ein überschaubares Spektrum kleiner Schritte verfügen und ausnahmslos in enger Umarmung tanzen können. Und die sich zudem auch noch für „tolle TänzerInnen“ halten, die angeblich „alles tanzen könnten, wenn man sie nur richtig führen ließe“, die aber in ihrer Ahnungslosigkeit, was die Tango-Historie anbelangt, eine Colgada für eine Zahnpasta halten.

Nichts gegen Social Dancing Encuentro.
Aber tun wir Butter bei die Fische. “Tango ist Tango und Encuentro ist Encuentro“.
Und genau das sollte die Social-Dancing Encuentro-Szene auch nach außen hin kommunizieren, um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen

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