Grabsteinsprüche

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Wer Familienforschung betreibt recherchiert nach Namensvettern in Kirchen und auf Friedhöfen.
Besonders auf Friedhöfe fand man zahlreiche Hinweise auf Charakter und Eigenschaften Verstorbener, die damals noch in Kurzform auf Grabsteinen und Kreuzen in Stein gemeißelt oder auf Eisen geschmiedet wurden. Heute nennt man das „Profil“ wird gepostet. 
Die Hansings betreiben Familienforschung seit mehr als vierzig Jahren. Enno Hansing aus Nordenham hatte das Glück und entdeckte in Österreich, Schweiz und Bayern zahlreiche Grabkreuze mit teilweisen irrwitzigen Inschriften, die schonungslos Fehler und Schwächen der Verstorbenen aufzeigten, wie z. B. folgender Grabspruch für den Lehrer und Organisten Kugler ( Friedhof Winterthur/Schweiz )
Hier schläft nach langer Arbeit sanft genug,
der Schüler, Orgel, Weib und Kinder schlug.

oder

Hier ruht die Asche von James Robinson und seiner Frau
Ihr dreißigjähriger Krieg ist beendet.

oder

Hier ruht der liebe Arzt, Herr Frumm
Und die er heilte rings herum.

oder

Hier fiel der Jacob Finkenscheid
vom Hausdach in die Ewigkeit.

oder

Hier liegen meine Gebeine,
ich wollt‘ es wären Deine.

Diese und weitere Grabsteinsprüche sammelte Enno Hensing in seinem Buch mit dem Titel „Hier liegen meine Gebeine, ich wollt‘ es wären Deine. Grabinschriften für alle Fälle“.
1997 erschienen im Verlag Peter Kunze, Bremen.
„Häufig verkünden die Zeilen Wahrheiten, Hinweise auf Fehler und Schwächen, die keinem Lebendem gesagt werden“, schreibt er einleitend, „sondern allenfalls über Lebende getuschelt werden. Sie reißen dem Verstorbenen die lebenslang getragene Maske ab.“
Zum Nachahmen wenig empfohlen denn, die heutige Friedhofsordnung verbietet Anspielungen auf Charakter, Schwächen etc des Verstorbenen anzubringen.