Gürkchen für Jürgchen

Christian

Jürgen war ein wenig angefressen, hatte doch seine Frau Irma seiner Wahrnehmung nach ein wenig zu oft und zu lange in der vergangenen Nacht mit anderen Männer Tango getanzt.
So zeigte er sich am nächsten Morgen entsprechend wortkarg und ging früher als sonst hinunter zum Strand.

Irma wollte dieses Stimmungstief nicht länger akzeptieren, fuhr ins Dorf und kaufte delikate Leckereien für ihren arg diätgeplagten Jürgen. Heute hatte Diät Pause.

Zurück in der Ferienwohnung packte sie all die Köstlichkeiten in eine große Plastikbox und vergaß auch nicht die Flasche mit dem gekühlten Weißwein, die sie, wie alles was kühl gehalten werden musste, isoliererprobt in Zeitungspapier einwickelte.

Gürkchen für Jürgchen
Gürkchen für Jürgchen

Schon von weitem sah sie ihren großgewachsenen Mann auf seinem Liegestuhl liegend reglos hinaus aufs Meer schauen.

„Na, wie geht es meinem Grummelbär?“, fragte sie heiter, während sie den zweiten Liegestuhl ganz dicht an den seinen rückte.
„Mmmh, geht so“, brummte er gespielt desinteressiert, den Blick weiterhin geradeaus auf den Horizont gerichtet.
Sie ruckelte sich platzschaffend noch ein wenig näher an ihn heran, schob ihren linken Arm unter seinen Kopf, während die rechte mit gespreizten Fingern das dunkle Areal seiner Brustbehaarung durchpflügte und ihn gleichzeitig wieder und wieder mit zarten Küssen seine gesamte Wange „abbusselte“.

„Du hast es nicht nötig eifersüchtig zu sein, mein Großer“, flüsterte sie nach einiger Zeit in sein Ohr. „Du bist doch mein Mann! Und meine einzige Liebe auf dieser Welt, außer den Manolos versteht sich“, witzelte sie.

Er lächelte verlegen und seine Augen füllten sich mit Tränen. „In letzter Zeit denke ich oft, ich genüge Dir nicht mehr. Der Tango hat schon so manches Paar auseinandergebracht. Und ein Leben ohne Dich kann ich mir einfach nicht vorstellen. Will ich mir nicht vorstellen“.
„Dummerchen“, antwortete sie. „Wieso sollte ich einen Mann verlassen, der mir das Wichtigste im Leben ist und von dem ich so sehr geliebt werde? Ich denke, Liebling, deine blöde Diät bringt dich auf solch dumme Gedanken und macht dich so dünnhäutig. Schau` was ich dir mitgebracht habe“, greift hinter sich und platziert die Plastikbox mitten auf seinen Bauch.
Er öffnet den Deckel und zeigt sich sichtlich erfreut über die vielen unterschiedlichen Leckereien darin.
„Heute machen wir keine Diät, mein Schatz. Heute frönen wir der Völlerei. Mund auf“, sagte sie fordernd und fütterte ihn mit Parmaschinken, verschiedenen Sorten Käsehäppchen und schob ab und an eine Weintraube hinterher. Später dann das Finale, seine Lieblingsspeise, der er über Monate standhaft entsagt hatte, versteckt in einer Extrabox: Leberwurstbrot. Und zwischendurch: Gürkchen für Jürgchen.