23 Tage mit Influenza das Bett geteilt.

16. April 2018
Christian

Ich war noch nie in meinem Leben so schwer erkrankt wie in den letzten Wochen.
Für alle die sich für den Ablauf (meinen Ablauf) einer „echten Grippe“ interessieren, um z.B. besser entscheiden zu können Impfung Ja oder Nein, habe ich diese Zeilen geschrieben verbunden mit der Hoffnung, dass niemand von euch sich jemals damit ansteckt.

Fieberdelirien bis über 40° C mit prachtvollen Farbspielen, Frösteln, Schweißausbrüchen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und schmerzhaften Hustenattacken.
Das sind die allgemeinen Merkmale. Spezieller geht es im Kopf zu, denn auch das Gehirn wird von den Viren befallen. In der Regel passiert hier nichts Schlimmes. Aber der Druck im Kopf bei aufrechter Haltung, verbunden mit einer Verschlechterung des Sehvermögens, dauerten noch 14 Tage an, nachdem ich das Bett verlassen hatte.
Wundert euch also nicht. Verfallt nicht in Panik. Der Körper richtet wieder alles so ein, wie es war. In der Regel.

Hinzu kommen die individuellen Symptome.
Bei mir waren es ab dem 12. Tag Angstzustände, Einsamkeitsgefühle, Melancholie/Depressionen.
Meine damalige Freundin kümmerte sich vier Tage lang stundenweise sehr liebevoll um mich, bevor sie beruflich verreisen musste.
Freunde wollte ich weiter nicht um Hilfe bitten, wegen der hohen Ansteckungsgefahr.

Die Genesung
Auf wackeligen Beinen den ersten Einkauf am Kiosk um die Ecke. Den ersten Abwasch erledigen. Glücksgefühle pur.

Der Rückfall
Sekundärinfektion „Seitenstrangangina“. Schlucken geht nicht mehr, weder Essen noch Trinken. Zwei Tage Krankenhaus. Halbwegs gesund wieder zu Hause.
Aufkommende Lebensfreude wechselte sich ab mit plötzlichen, aus dem Nichts kommenden Weinkrämpfen .
21 Tage gefangen in der Wohnung, jeden Tag alleine, jede Nacht alleine, das hinterlässt Spuren.

Es folgte der erste Spaziergang. Die Beine wollten zunächst nicht immer in die von mir gewünschte  Richtung.
Der erste große Einkauf im Supermarkt. Telefonate mit Freunden.
Das Leben schmeckte nach Vanille.

Vorteil am Ende der Erkrankung:
Nichts tut dir weh. Weder Kreuz noch Schultern, Nacken, Beine, Füße.
Der Körper, so scheint es, hat sich selbstständig auf „Reset“ gestellt:
Saubere Leber – reiner Darm – durchspülte Nieren – freie Lunge.
Blutwerte Top. Cholesterin Top. Körpergewicht Top, acht Kilo abgenommen.
So optimal eingestellt war ich das letzte Mal als Säugling, vermute ich.

Grund genug noch achtsamer mit meinem Körper umzugehen.