Tanze Dein Lieblingstier

Christian

Das Leben liefert nicht selten Pointen, die aus einem Witz entnommen sein könnten.
Folgendes war geschehen:

Thema: REINKARNATION
Frau Scharnhorst, Eurythmie-Lehrerin der neunten Klasse einer Waldorfschule, stellte ihren Schüler*Innen folgende Aufgabe: „Überlegt euch einmal, als welches Tier ihr wiedergeboren werden wolltet, sofern euch nach eurem Tode ein zweites Leben geschenkt würde. Und sobald ihr euch für eines entschieden habt, steht auf und tanzt dieses Tier“.

Nach kurzer Zeit eröffnete Bernd die Show und stellte einen Löwen dar, der auf allen vieren, die Vordertatzen hochschwingend, mit gefletschtem Zähnen furchteinflößend aussehen wollte. Simon legte sich träge flach auf den Bauch, streckte Arme und Beine von sich und versuchte so eine Schildkröte nachzuahmen, Max trommelte als Gorilla auf seiner Brust herum, Lea miaute als Kätzchen, während Caroline mit hüpfenden Schritten und rudernden Armen das kurzlebigste aller vorgeführten Tiere darstellte, einen Schmetterling. (?)

Quelle: YouTube-Video
Quelle: YouTube-Video

Alle waren gut bei der Sache. Nur der schüchterne Jonas nicht, der in einer Ecke hockend seine Lehrerin beobachtete, in die er seit einer Woche testosteronbedingt unsterblich verliebt war.
Um sich selbst erwachsener zu fühlen – und somit den Altersunterschied zwischen ihm und seiner Angebeteten in die Bedeutungslosigkeit zu entlassen – tat er, wie könnte es anders sein, die „ganze Idee“ vom „Tiersein“ und „Vortanzen“ als Kinderkram ab, ohne zu merken, dass er gedanklich bereits auf der Suche nach einem Tier war, welches man schlichtweg nicht tanzen konnte. Ein untanzbares Tierwesen also, das seine Auserwählte beeindrucken sollte, durch dessen Mut, Kraft, Eleganz und Schönheit.

Als die Reihe an ihm war, stand die Lehrerin lässig vor ihm und forderte ihn unmissverständlich auf, jetzt seinen Teil zu diesem Thema beizutragen, indem sie in fragte: „Nun, Jonas, als welches Tier möchtest Du wiedergeboren werden, hm?“
Er versuchte nicht rot zu werden und unbedingt männlich zu wirken (Ein Spagat, den alle Pubertierende irgendwann einmal probiert haben, der aber noch nie funktionierte).
Sein gesenkter Blick richtete sich langsam auf. Und als er in die Augen seiner Lehrerin blickte, antwortete er ruhig: „Als Deckhengst“.