Bei TangolehrerInnen genau hinschauen

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Liebe Leute, 
darf jemand der über 20 Jahre lang dem Tango treu ergeben ist seine Meinung äußern? Richtig. Er darf.
Thema: Die tänzerische Vielfalt im Tango ist rückläufig.
Das liegt zum einen an dem Encuentro-Tango, der nur eine begrenzte Möglichkeit tänzerischer Darstellung zulässt, zum anderen an der mangelhaften Ausbildung der Unterrichtenden, die in vielen Fällen sich selber ausbilden mit Unterstützung zahlreicher YouTube-Videos und den Gang zu professionellen Unterrichtenden ebenso meiden, wie LebenspartnerInnen die sich von ihren jeweiligen Partnern unterrichten lassen. Wie im normalen Leben auch, ist die Kopie einer Kopie von einer anderen Kopie niemals so gut wie das Original.

 

Ein Indiz für das gesunkene tänzerische Niveau ist die Lautstärke innerhalb der  Milongas, die mittlerweile den Geräuschpegel eines Raststätte-Restaurants erreicht haben. 
Vor gar nicht allzu langer Zeit war es auf den Milongas eher geräuscharm. Das lag schlicht und ergreifend daran, dass den Umhersitzenden auf der Tanzfläche optisch ein vielfältiges und hohes tänzerisches Niveau geboten wurde. Man kam aus dem Staunen nicht heraus. Und wer sich staunend umschaut, spricht nicht.
Auch die Musikauswahl war breiter gefächert, was Antrieb für so manche Tänzer bot. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Helft der Tangokultur das tänzerische Niveau wieder nach oben zu bringen. Schaut euch eure Unterrichtenden genau an. Wollt ihr so tanzen wie sie? Steht auf deren Webseite ein Werdegang ihrer Ausbildung? Wie lange unterrichten sie schon? Wie tanzen die Schüler?
Lasst euch nicht blenden von Tanzausbildungen, die mit Tango nichts zu tun haben. “Vielfacher Meister” in Standard/Latein, Ballettausbildung etc sagen nichts über die Befähigung aus, den Tango optimal zu unterrichten. Im Gegenteil, beide Variationen können sich auf den Tangounterricht negativ auswirken, weil sie konträr zum Tango stehen: Während Standard/Latein und Ballett eher “nach oben” ausgerichtet sind, wird der Tango “in den Boden hinein” getanzt.

Denkt dran, das Gros der Unterrichtenden ist in erster Linie nicht an euch interessiert, sondern an eurem Geld. Und das ist auch richtig so. Die zahlreichen Unterrichtsstunden, in denen sie sich haben ausbilden lassen, die Flug- unter Unterbringungskosten, das alles hat eine Menge Geld gekostet. Und das muss wieder reingeholt werden.  Der Spruch, “Das haben sie sich verdient“, trifft hier voll und ganz zu. Deshalb lasst euer Geld gerne bei den “Guten”. Stopft sie mit Geldscheinen wie eine polnische Weihnachtsgans, denn sie sind wichtig. Für dich. Für uns. Für die Kultur.

Und wendet euch ab von Unterrichtenden, die nur vage Auskunft geben können über ihre Ausbildung zum Tango, die in tänzerischer Hinsicht nicht euren Vorstellungen entsprechen. Seid kritisch bei der Auswahl. Nichts geht mehr ins Geld als zahlreiche Unterrichtsstunden, auf denen sich nichts aufbauen lässt.

Schaut genau hin, ob der Gärtner, dem ihr euren Tangogarten anvertraut, nicht ein verkleideter Bock ist:))