Tango in der Corona Pandemie

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Im Umgang mit der Pandemie zeigt sich, wer von den Tangoveranstaltern  (Unterrichtende, Milongabetreiber) verantwortungsvoll handelt oder aus falsch verstandener Fürsorge heraus oder nur am Geldverdienen interessiert ist. 

tangoveranstaltungen

Unterricht und Workshop sind sinnlos angesichts fehlender Tanzmöglichkeiten

Die, die Infektionen unmöglich machen
Die Verantwortungsvollen
 unter den Tangoveranstaltern bieten keinerlei Aktivitäten an. Weder Workshops, noch Kurse, noch Praktika, auch keine Milongas.
Sie halten die Türen geschlossen aus zwei Gründen, Grund 1: Sie spielen nicht mit der Gesundheit Tangotanzender aus dem Wissen heraus, dass nur eines eine Infektion unmöglich macht, nämlich Kontaktvermeidung. Sie wollen nicht die Gesundheit auch nur eines Einzigen gefährden durch Angebote irgend einer Art. Punkt. Kalter Entzug.

Grund 2: Ihre meist langjährige Erfahrung belegt, dass das Erlernte in Workshops und Unterrichten nur etwas bringt, wenn es auf Milongas, zwei- dreimal pro Woche, geübt/trainiert werden kann, was in diesen Zeiten nicht möglich ist. Folglich wären Zeit und Geld zum Fenster hinausgeworfen.

Die, die es gut meinen
Die fürsorglich Verantwortungsvollen.
Sie wollen ihre Tangogemeinde in schweren Zeiten wie diese nicht alleine lassen.
Das Prinzip Hoffnung ist hier vorherrschend. Ganz unter dem Motto: „Es wird schon nichts passieren“. 2G, 2G+, wird als ausreichend akzeptiert und die Tatsache verdrängt, dass es eben doch kein Schutz vor Ansteckung ist.
Um ihr Tun zu rechtfertigen, spielen Veranstalter und Gäste die Gefahr herunter, was wir mehr oder weniger alle tun, und so wird aus einer drohenden möglichen Infektion schnell ein Infektiönchen, das “schon nicht so schlimm sein wird”.
Immerhin halten sich „fürsorgliche“ Veranstalter an das Hygienekonzept. Sie führen Teilnehmerlisten und informieren die Leute unverzüglich bei einer aus dem Teilnehmerkreis nachgewiesenen Infektion, damit sich jeder testen lassen kann und nicht als Spreader unterwegs ist.
So wie etwa unlängst das UNIVERSO in Hamburg verfahren ist. Die Betreiber haben nicht nur den Teilnehmerkreis informiert, sondern zusätzlich auch die Tangogemeinde über Facebook.

Die, die Infektionen ihrer Teilnehmer billigend in Kauf.
Die Verantwortungslosen, die Geldgierigen. Diese Gruppe von meist jüngeren bis sehr jungen Veranstaltern sind häufig autodidaktisch ausgebildete Unterrichtende mit Fernstudium bei YouTube und einem Hang zur Selbstdarstellung. Geldverdienen scheint an erster Stelle zu stehen. Sie nutzen die Gunst der Stunde und werben massiv für Workshops und Kurse. Auf Videos wirkt ihr Tanzen eher befremdlich, dem Tango nicht zugehörig. Das mag unter anderem auch an der Tanzhaltung und dem Gehen liegen, das eher dem Standard/Latein entnommen zu sein scheint. 

Ähnlich irritiert würde sich das fachkundige Publikum der New York Fashion Week zeigen, würde Angele Merkel Bikinimoden vorführen.

In Sachen Infektionsgeschehen sind sie die eigentlichen Treiber in der Tangoszene durch laxe Handhabung der Hygienevorschriften und Außerachtlassung der Meldepflichten. 
Diese Veranstalter setzen Vorschriften nur minimalistisch um. Werben vordergründig mit einer zur Schau gestellten mütterlichen Besorgnis mit der 2G-Regel, lassen die Variante 2G+, die etwas mehr Sicherheit für die Teilnehmer bedeuten würde, außer Acht, weil bei 2G+ weniger Anmeldungen zu erwarten wären, was Umsatzeinbußen zur Folge hätte. Die „Intellektuellen“ unter diesen Veranstaltern stellen den Teilnehmern frei, einen Test machen zu lassen, würden es sogar „begrüßen“. Nur, Test haben eine hohe Fehlerquote und schlagen nur bei ausreichender Virenlast an, wie allgemein bekannt ist. Darüber hinaus senkt ein freiwilliger Test innerhalb einer Gruppe mit Nichtgetesteten das Infektionsrisiko in keiner Weise, dient alleinig dem Image des Veranstalters.

Die hohen Infektionszahlen in den Gruppen kommen zustande, weil Ausbrüche an Teilnehmer nicht weitergegeben werden, von denen einige aller Wahrscheinlichkeit nach als ahnungslose Spreader unterwegs sein werden. Auch im nächsten Kurs. Der Grund für das Stillschweigen liegt auf der Hand: Eine gemeldete Infektion würde auch hier einen Umsatzverlust bedeuten.

Beispiele:
In Berlin haben diverses Veranstalter nachgewiesene mehrfache Infektionsausbrüche nach G2-Veranstaltungen weder an das Gesundheitsamt noch an die Teilnehmer selbst weitergeleitet.

In Stuttgart wurden bei einem Workshop-Wochenende mit G2+ acht von 18 Teilnehmern infiziert, ohne die Teilnehmer anhand der Liste zu informieren. Erst als eine Betroffene auf eine Veröffentlichung bestanden hat, gab das Lehrerpaar nach und informierte die Teilnehmer umfangreich.
In Hamburg soll es nach Hörensagen ein Lehrerpaar besonders doll treiben. Seit Mitte 2020 kommt es in ihren Kursen wieder und wieder zu Infektionsausbrüchen. Nicht ein einziges Mal wurde der Teilnehmerkreis informiert, oder eine Quarantäne-Auszeit der betroffenen Kurse vorgenommen.

Kaum jemand setzt sich gegen diese Praxis zur Wehr, so wie beispielsweise die Teilnehmerin aus Stuttgart, man will ja nicht in Ungnade fallen, ist das Hauptargument. So wird sich auch nicht viel ändern können.
Wir haben uns alle lieb (Umarmung, Küsschen links, Küsschen rechts).

Das Argument, „Wir machen nur ein Angebot. Ob es angenommen wird oder nicht entscheidet jeder selbst. Schließlich ist jeder erwachsen genug“, stimmt nicht ganz. Nicht in Zeiten wie diesen. Zu lange bereits sind zu viele alleine. Einsamkeit lastet schwer auf den Schultern. Objektives Handeln schwindet. Wunschdenken macht sich breit. Risiken werden eingegangen. Tango macht süchtig. Süchtig nach Nähe, nach Berührung, nach sinnlichem Austausch. Leichtes Spiel für die, die das  „Flötenspiel des Rattenfängers“ beherrschen in Form von Werbung und Lockangeboten. Fröhlich strahlende, supergutgelaunten Unterrichtende, die ihre Beine schwingen in Höhen, die dem Tango fremd sind, versprechen Spaß und Abwechslung, und volle Kassen. 

Coronaleugner-Veranstalter. Sie bieten heimliche Treffs an, ohne jegliches Hygienekonzept. Leider bleiben sie nicht unter sich, sondern infiltrieren die Tangoszene landesweit.
Die relativ hohe Anzahl der Coronaleugner in der Tangoszene offenbart, wie sehr das intellektuelle Niveau, neben dem tänzerischen und sozialen, mehr und mehr an Höhe verliert.

Das Ende der Pandemie… 
… ist noch nicht in Sicht. Es ist daher  dringend geboten sich zu entscheiden: will ich mich dem Risiko einer Infektion/Reinfektion aussetzen oder nicht. Maske – Abstand – Impfung kann schützen, muss es aber nicht. Wer das Risiko so gering wie möglich halten will, sollte zusätzlich Kontaktmöglichkeiten auf das Nötigste beschränken.
Doch Vorsicht, allzu oft ist das, was man am nötigsten braucht im Leben,  der Tango. Ich weiß. 

Wie wird es wohl sein, das Ende der Pandemie? Werden wir auf den Straßen tanzen? Hupend durch die Gegend fahren?
Auf alle Fälle werden wir uns in den Armen liegen, uns ganz fest drücken und nächtelang durchtanzen.
Bis dahin sollten wir alles daran setzen, uns nicht mit dem Virus zu infizieren, von dem man bis heute nicht weiß, wie schwerwiegend die Gefäßschäden sind, die in allen Organen auftreten können.