Übergangspartner: Nicht mehr als eine Notlösung

Geschieht es in beiderseitigem Einvernehmen, alles kein Problem.

Wird der andere aber lediglich benutzt, lässt Mann/Frau sehenden Auges zu wie das Gegenüber Hoffnungen und Erwartungen entwickelt, ist dieses Verhalten egoistisch, respektlos und moralisch nicht zu vertreten. 
Allerdings gibt es Ausnahmen. Besonders Menschen die mit Konflikten nicht umgehen können oder ehemalige Abhängige, z.B. trockene Alkoholiker, die es sich aufgrund des hohen Rückfallrisikos nicht leisten können in tiefe emotionale Täler zu fallen, neigen zu Übergangspartnern. Und können tatsächlich unbewusst extreme Verliebtheitsgefühle empfinden, die natürlich nicht von langer Dauer sind.

Der benutzte Partner wird bald irritiert den Mangel an  intensive Zärtlichkeiten spüren, wie z.B. inniges Küssen, Streicheleinheiten, enger wohliger Körperkontakt, intensive Gespräche.
Der Schwerpunkt liegt alleinig im Ausleben der Erotik und vielschichtigen  Freizeitvergnügungen.  Später fließen immer wieder Bemerkungen ein, die den Ex betreffen.

Spätestens hier sollte bei jedem/jeder Betroffenen/Betroffenen die rote Lampe angehen.

So auch -rechtzeitig- bei Cornelius. 
Der hat sich zusätzlich Facebook bedient und dabei unschöne Tatsachen ans Licht befördert.

Seine Auserwählte „Anke“ lernte er sechs Wochen zuvor kennen, bevor sie mit einer Freundin in einen lange vorher geplanten Urlaub startete.

Die ersten drei Tage erfrischende Kommunikation über Facebook.
Am vierten Tag dann weniger. Sie schrieb ihm kurz über Erlebnisse bei der Ladys Night am Vorabend und dass das WLAN im Hotel total oft zusammenbricht.
„Auf einmal?“, dachte er. Misstrauisch geworden, auch weil die Kommunikation von einem auf den anderen Tag an Qualität und Quantität verloren hatte, beobachtete er den Online-Status bei FB.
Von acht Stunden war sie, verteilt über den Tag, mehrere Stunden online.

Und als sie am Abend des fünften Tages kommentarlos nur Bilder schicke von Strand und Shopping und lediglich eine kurze Mitteilung verfasste über das immer schlechter werdende Hotel-WLAN, wurde er in mehrfacher Hinsicht kleingläubig. Zum einen berichtete sie, dass ihre Freundin einen Lover hat und sie aufgrund dessen praktisch den ganzen Tag alleine sei (wer hat dann die Fotos gemacht?), zum anderen das schlechte WLAN beklagt, obwohl sie stundenlang online war.

Unbehagen machte sich breit. Dieses blöde Gefühl, das jeder von uns kennt und jeder hasst, weil es einem Dinge tun lässt die man sonst nicht machen würde.

Er checkte ihre vergebenen Likes auf Fotos

> Einstellungen
> Sprache auswählen in English
> Home
> Suchfeld: photo liked by (name eingeben)

und siehe da, jede Menge Likes auf Fotos ihres Verflossenen. Im Zusammenhang mit den langen Onlinezeiten wäre ein aktiver Austausch mit dem Ex durchaus denkbar.
Am Abend des sechsten Tages erhielt er nur Fotos von einem Strandausflug zu Pferde. Kein Kommentar.

In ihrem Account stellte er fest, dass nicht nur der Ex jedes ihrer Urlaubsfotos geliked hat, die Fotos aus vergangenen Tagen waren bei ihr immer noch im Portfolio.

Am siebten Abend, der letzte Abend im Urlaubsparadies, kam keine Nachricht mehr.
Und sie hatte die Einstellungen der Fotos dahingehend geändert, dass FB-Freunde nur noch die Freunde sehen können, mit denen sie selber eine Freundschaft haben. Neu hinzugekommenen Freunde konnte er nicht mehr einsehen.

Daraufhin nach ihrer Rückkehr angesprochen, reagierte sie verstimmt und meinte lediglich, dass sie die Einstellungen „halt wieder ändern werde“.
Die Frage, warum sie das mit den Fotos änderte ließ sie unbeantwortet und warf ihm stattdessen
„krankhaftes Misstrauen“ vor.
Empathie für die Situation oder Verständnis für seine Fragen, Fehlanzeige.
Dafür wurde der Ex bemerkenswert oft erwähnt.
Und als sie ihm von der Beziehung zu ihm erzählen wollte, über das unbefriedigende Sexualleben, seine psychischen Probleme, da leuchtete die rote Lampe dunkelrot, da spürte er, “Sie ist noch nicht durch mit dem Thema”.

Das Ende kam dann einige Tage später.
Sie war auf Seminarreise in Österreich. Wieder nur spärlicher SMS Verkehr. Gelandet zurück in Deutschland nur eine kurze SMS „Bin gelandet“.

Dieser Satz, für Cornelius eine Offenbarung, war aber nicht ausschlaggebend für das Ende. Ausschlaggebend war ein Eintrag auf Facebook.
Auf ihrer Seite postete sie ein bevorstehendes Konzert. Dieser Post wurde, wie fast alle ihre Posts von ihrem Ex geliked, nur mit dem Unterschied, dass sie diesen Like zurück geliked hat. Und das war für Cornelius „das“ Indiz dafür, als Esel missbraucht worden zu sein zu dem einzigen Zweck,  Ankes Wagen aus dem Dreck zu ziehen.

Er beendete das alles an einem Donnerstag. An einem Freitag schrieb sie: „Fühle Dich frei.“
An dem darauffolgenden Samstag war sie bereits wieder mit ihrem Ex zusammen.
Und während sie bereits vogelfrei im siebten Himmel schwebte, die SMS eines Freundes brachte die Gewissheit „Bist Du noch mit Anke zusammen. Ich hab sie heute gesehen mit …“, machte er die Hölle durch.
Benutzt. Belogen. Betrogen. Ausgetauscht.

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