Neues Zuhause gesucht!

Christian

Auf meiner Suche nach einem neuen Zuhause, einer neuen Heimat – Chiem- und Ammersee sind aufgrund der gigantischen Mückenplage bereits aus dem Rennen -, machte ich in einem Berliner Cafe am Bergmannkiez zufällig die Bekanntschaft zweier älteren Weltenbummler-Lebensabschnittspartner, deren Gleichklang in Optik, Gestik und Kommunikation ein erfülltes vertrautes Leben auch für das ungeübte Auge vermuten ließ.
Nach einigen belanglosen Sätzen antwortete ich auf die schon fast obligatorische Frage, die jeder Berliner einem Touristen früher oder später stellt: „Was machst Du so in Berlin?“, antwortete ich , dass ich eine neue Bleibe suche, einen Tapetenwechsel anstrebe für etwas Neues; eine Wohnung mit Dachterrasse am Meer vielleicht (in Bayern dachte ich noch: Wenn ich meinen See seh brauch ich kein Meer mehr), auf einer Insel womöglich dort, wo es warm ist, selten regnet und ich tagein tagaus meinen Jeep Willys fahren könnte ohne Türen, ohne Windschutzscheibe und selbstverständlich ohne Verdeck.
Mit diesen Worten erregte ich die Aufmerksamkeit der beiden derart, dass eine Flut von Informationen über verschiedenste Inseln, Städte, Länder weltweit unmittelbar über mich hereinbrach, sodass ich mir vorkam wie eine „genudelte“ polnische Weihnachtsgans.
Die gutgemeinten Tipps über Vor- und Nachteile von Hawaii, Antillen, Thailand, Kanada, Schweden etc kamen prompt zum Erliegen als ich kleinlaut anmerkte, es solle möglichst ein Ort sein der gesundes Trinkwasser aufweist, frei von Insekten mit übertragbaren Krankheitserregern ist und eine effiziente medizinische Grundversorgung in kürzester Zeit gewährleistet, und zwar für Allgemein- Zahn- und Notfallmedizin.
Zwei verdutzte Gesichter. Betretenes Schweigen.

In diesem Moment der Stille, der sehr stillen Stille, kroch in mir eiskalt die Gewissheit auf -warum fühlt sich Gewissheit immer kalt an, nie warm?- , dass, ich, wenn ich nicht aufpasse, in einer mickrigen Wohnung mit Fliegengitter vor einem Aquarium mit Seewasserfischen sitzend mein kleines Leben fristen werde, in unmittelbarer Nähe zur Universitätsklink Eppendorf.